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Gesundheit

COVID-19: Indischer Arzt berichtet wie das Coronavirus seinen Alltag verändert hat

Gerade das Gesundheitssystem und seine Infrastruktur werden in den Tagen des Coronavirus auf Herz und Nieren geprüft. Während die entwickelten Länder bereits an die Grenzen ihrer Kapazitäten stoßen, wollen wir uns ein Bild von den Ländern machen, die bereits vor der Krise Schwierigkeiten hatten. Wir baten den indischen Arzt Dr. Amar Ankushrao mit uns seine ersten Erfahrungen im Alltag mit dem Virus zu teilen.


„Ich arbeite also hauptsächlich als Assistenzarzt in einem anderen Krankenhaus und kam auf Anordnung des Stadtkommissars hierher in die Isolationseinheit. Am 11. März wurde ich dringend nachts zum Dienst gerufen und seitdem arbeite ich jede Nacht von 21.00 Uhr bis 9.00 Uhr als Bereitschaftsarzt. Lassen Sie mich Ihnen zunächst sagen, dass die Bitte des Kommissars in die Isolierstation zu wechseln sechs Ärzte umfasste. Von diesen haben vier beschlossen nicht mitzukommen, weil sie Angst vor dem Coronavirus hatten nachdem die Medien darüber berichteten.

Vor einigen Monaten, im Jahr 2019, wurde der Global Health Security Index veröffentlicht. Länder auf der ganzen Welt wurden daraufhin untersucht, ob sie auf eine Epidemie oder Pandemie, wie wir sie jetzt erleben (das Coronavirus), vorbereitet sind. Im Mittelpunkt stand der Ebola-Ausbruch im Jahr 2014, der mehr als 10.000 Todesopfer forderte. Dies veranlasste viele andere Länder ihre Vorbereitungen zu intensivieren. Der Index untersucht den Stand der Vorbereitungen von Ländern auf der ganzen Welt auf der Grundlage der Frage, ob sie über ein adäquates System und Instrumente verfügen, um mit dem Ausbruch in großem Maßstab umzugehen. Dieser Index hat gezeigt, dass vor allem die entwickelten Länder mit einer solchen Krise besser umgehen können – aber auch nicht gerade gut.

Für mich als Arzt in einer Isolierstation für COVID-19 in einem Land in dem etwa 1,37 Milliarden Menschen auf der Welt leben ist es wie eine Ruhe vor dem Sturm, wenn ich sehe was vor sich geht. Die Regierung hat Feiertage ausgerufen um die Menschen zu Hause zu halten und die Ausbreitung bis zu einem gewissen Grad zu begrenzen. Zum Zeitpunkt, an dem ich diesen Artikel schreibe, beträgt die offizielle Zahl der bestätigten positiven Fälle in Indien 112 und hat bisher zwei Menschenleben gekostet. Das klingt nicht allzu schlimm, aber ich persönlich bin der Meinung, dass die Richtlinien der Regierung für Vorsorgeuntersuchungen für ein so bevölkerungsreiches Land einfach nicht ausreichen. Tatsächlich liegt der ganze Fokus darauf, den Verdächtigen unter den bekannten engen Kontakten (mit Symptomen) des bestätigten positiven Patienten und der infizierten internationalen Reisenden zu finden. Und das reicht in keiner Weise aus. Ich hoffe nicht dass es passiert, aber das Schlimmste könnte uns noch bevorstehen, wenn sich das Virus auf die unteren Klassen und die untere Mittelschicht des Landes ausbreitet, die mehr als 85% der Bevölkerung ausmachen.

Vor allem die Bevölkerung dieser Schichten ist beunruhigt: Es besteht bereits ein Mangel an Masken und Desinfektionsmitteln. Darauf folgt ein Scheinmarkt mit Apotheken, die Duplikate oder gefälschte Produkte verkaufen. Auch meine Familie ist besorgt und hat mich gebeten, eine andere Unterkunft zu finden, während ich hier arbeite. Meine Freunde weigern sich aus Angst mich zu treffen. Auch das Krankenhaus, in dem ich arbeite, ist nicht wirklich vorbereitet: Bis jetzt hatte ich jede Nacht mit COVID-19-Verdächtigen zu tun und alle was wir zum Schutz hatten waren gewöhnliche Operationsmasken und Handschuhe, bis heute, 16. März, als sie uns endlich N95-Masken gegeben haben.

Auch wenn wir alle nicht sehr gut auf die Coronakrise vorbereitet sind, bleibt uns nichts anderes übrig, als uns umeinander zu kümmern und aufeinander aufzupassen. Man darf nicht vergessen, dass sich die Welt jedes Mal erholt hat, wenn sie gelitten hat.“

Ein Kollege von Dr. Amar Ankushrao untersucht die Patientenakte einer Frau
Foto: Amar Ankushrao

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